Usedom, Rügen, das Stettiner Haff – dort bin ich in den letzten Jahren öfter unterwegs gewesen und jedes Mal stand ich vor derselben Frage: Ist das Wasser hier eigentlich noch Süßwasser? Die ehrliche Antwort: nein. Es ist Brackwasser, mit Salzgehalten zwischen 0,5 und 8 Promille, und das stellt an ein Bordwassersystem andere Anforderungen als ein Kanal oder ein Binnensee. Was das konkret bedeutet und welche Technik ich mittlerweile dafür einsetze, beschreibe ich in diesem Beitrag.
Brackwasser kurz erklärt: Salzgehalt zwischen 0,5 und 30 Gramm pro Liter. Für den direkten Konsum ungeeignet und für viele Standard-Filtersysteme eine Belastung, auf die sie nicht ausgelegt sind.
Die drei Reviere, die ich am häufigsten befahre
Jedes dieser Gewässer hat ein eigenes Salzprofil. Das schwankt je nach Wind, Jahreszeit und Wasserstand – und wer das ignoriert, unterschätzt schnell, was sein Filter leisten muss.
Achterwasser
- Lage
- Hinter Usedom, über den Peenestrom mit der Ostsee verbunden.
- Erfahrung
- Bei Ostwind steigt der Salzgehalt bei mir schon mal kurzfristig deutlich an. Starke saisonale Schwankungen, dazu Nährstoffeintrag aus der Landwirtschaft.
Bodden
- Lage
- Flache Küstengewässer zwischen Rügen und Festland.
- Erfahrung
- Meist niedrigerer Salzgehalt als das Achterwasser, dafür im Sommer regelmäßig Cyanobakterien und eine spürbare Algenlast.
Stettiner Haff
- Lage
- Größtes Boddengewässer der deutschen Ostseeküste, stark von der Oder geprägt.
- Erfahrung
- Der geringste Salzgehalt der drei Reviere, aber die höchste Trübung. Ich rechne hier immer mit viel Schwebstoff im Rohwasser.
Warum Standard-Filter hier an ihre Grenzen kommen
Die meisten Filtersysteme auf Booten sind für Süßwasser aus Kanälen oder Seen gebaut. Salz macht ihnen aus drei Gründen zu schaffen:
Membranschäden durch Salz
Einfache Sediment- und Aktivkohlefilter halten Salze nicht zurück. Läuft Brackwasser dauerhaft durch ein System, das dafür nicht ausgelegt ist, schädigen Ablagerungen die Membran.
Osmotische Überlastung
Haushalts-RO-Membranen sind auf Leitungswasser ausgelegt. Brackwasser braucht eine eigens dimensionierte Membran und höheren Betriebsdruck, sonst bricht die Leistung ein.
Biologische Zusatzlast
Im Sommer steigen die Cyanobakterien- und Algenwerte in diesen Revieren deutlich. Ihre Toxine entfernt ein einfacher Filter nicht.
Was ich mir gemerkt habe: Ein Filter, der für Elbwasser oder Berliner Kanalwasser gebaut wurde, funktioniert im Brackwasserrevier nicht automatisch genauso gut. Falsche Technik verschleißt schneller – und im schlechtesten Fall wird das Wasser dadurch nicht besser, sondern schlechter.
Was ich vor Ort messe, bevor ich aufbereite
Bevor ich entscheide, wie ich das Rohwasser aufbereite, will ich wissen, womit ich es zu tun habe. Das sind die Werte, an denen ich mich orientiere:
- Leitwert (TDS-Meter): unter 500 µS/cm ist praktisch Süßwasser, 500–3.000 µS/cm leichtes Brackwasser, 3.000–8.000 µS/cm starkes Brackwasser – dann brauche ich eine Brackwasser-RO-Membran.
- Chlorid-Grenzwert: 250 mg/l nach Trinkwasserverordnung. Eine RO-Stufe erreicht das zuverlässig.
- Cyanobakterien: im Sommer in Bodden und Achterwasser regelmäßig erhöht. Für mich ein Pflichtargument für UV-Desinfektion.
- Trübung: im Haff meist am höchsten, wegen der Oder. Ohne Vorfilter geht hier nichts.
Kurzer Praxistipp
30 Sekunden, bevor der Wassermacher läuft
Ich messe den Leitwert des Rohwassers, bevor ich das System einschalte. Werte über 3.000 µS/cm sind in diesen Revieren keine Ausnahme, aber ein Hinweis darauf, dass das System stärker beansprucht wird. Ein einfaches saisonales Protokoll hilft mir, Filterwechsel besser zu planen statt sie zu erraten.
Die Filterstufen, mit denen ich arbeite
Für Brackwasser brauche ich ein mehrstufiges System, das jede Belastung einzeln adressiert:
Grobvorfilter (100–50 µm)
Hält Schwebstoffe und größere Partikel zurück. Schützt alles Nachgelagerte – im Haff aus meiner Sicht nicht verhandelbar.
Feinvorfilter (5 µm)
Entfernt feine Trübstoffe und schützt die RO-Membran vor vorzeitiger Verblockung durch Biofilm.
Umkehrosmose, Brackwasser-Membran
Entfernt Salze, Schwermetalle, Nitrate, Pestizide und Mikroplastik. Rückhalterate über 95 %.
Aktivkohle-Nachfilter
Entfernt verbleibende organische Verbindungen und adsorbiert Cyanobakterien-Toxine wie Microcystin.
UV-Desinfektion, 254 nm
Inaktiviert verbliebene Keime, Viren und Cyanobakterien ohne chemische Rückstände. Im Sommer an der Küste für mich unverzichtbar.
Ergebnis: Nach diesen fünf Stufen erfüllt das Wasser bei mir die Anforderungen der Trinkwasserverordnung – egal ob das Rohwasser aus Bodden, Achterwasser oder Haff stammt.
Was mich unterwegs am häufigsten gefragt wird
Kann ich Haff-Wasser direkt filtern?
Ja, mit dem richtigen System. Der Salzgehalt ist gering, die Trübung durch die Oder aber hoch. Vorfilter und RO-Stufe sind bei mir Pflicht.
Was, wenn der Salzgehalt plötzlich steigt?
Bei Ostwind kann er im Achterwasser kurzfristig auf über 6 ‰ klettern. Mein System läuft dann mit etwas weniger Durchsatz, schützt die Membran aber über den internen Druckaufbau.
Muss ich die Filter öfter wechseln?
Tendenziell ja. Im Achterwasser prüfe ich die Vorfilter-Cartridges alle 4–6 Wochen statt wie im Binnenrevier alle 8–12 Wochen.
Funktioniert das auch für Brauchwasser?
Für reines Brauchwasser reicht oft eine vereinfachte Aufbereitung ohne vollständige Entsalzung. Ab 3 ‰ nutze ich dafür ein separates System, um Korrosion zu vermeiden.
Dein Boot fährt ins Brackwasserrevier?
Ich berate kostenlos zu deinem Einsatzgebiet, dem erwarteten Salzgehalt und dem passenden Varuna-System.
Daniel Nitzschke
Entwickler. Dauerlieger.
Varuna ist kein Produkt aus dem Katalog – sondern das Ergebnis eines sehr konkreten Problems. Ich lebe seit Jahren auf meinem Boot in Berlin und bin dabei auf eine Frage gestoßen, die sich jeder Bootseigner irgendwann stellt: Woher kommt das nächste Wasser?
Mit einem ehemaligen Dampf-Schlepper von 17 Metern Länge und einem Tiefgang von eineinhalb Metern war die Antwort ernüchternd. Der nächste Hafen mit Wasseranschluss war weit. Das Wasser in der Berliner Spree trüb, algenbelastet, nach konventionellen Maßstäben nicht nutzbar.
Als Entwickler habe ich angefangen zu experimentieren – Komponenten aus der professionellen Schwimmbadreinigung, modularer Aufbau, hunderte Liter kontaminiertes Spreewasser durch Versuchsaufbauten. Solange, bis das System auch nach langer Laufzeit zuverlässig sauberes Trinkwasser lieferte.
2025 ist die nun zweite Generation der Varuna Wassermacher am Markt: kompakter, nach wie vor mit innovativem Rückspülsystem, UV(C)-Desinfektion statt Chlor – und natürlich überall plug-and-play einsatzbereit.
Mehr über die Entstehungsgeschichte →