Blick aus dem Salon eines Boots auf einen See

Wie lange reicht der Wassertank eigentlich? Eine ziemlich einfache Frage. Eigentlich.

Ein 200-Liter-Tank kann für zwei Personen ein ganzes Wochenende reichen. Er kann aber auch nach einem Tag fast leer sein. Es hängt davon ab, was man an Bord macht, wie lange man duscht, wie oft die Toilette gespült wird, wie viel Geschirr anfällt und vor allem davon, ob man versucht, mit jedem Liter möglichst sparsam umzugehen.

Die Rechnung ist zunächst simpel:

Tankinhalt ÷ tatsächlicher Tagesverbrauch = theoretische Reichweite.
In der Praxis sollte man allerdings niemals so planen, als wäre der letzte Liter im Tank noch verfügbar.

Denn irgendwas kommt eigentlich immer dazwischen. Ein Gast bleibt länger. Man duscht fünf Minuten statt drei. Nach dem Frühstück muss noch das Geschirr gespült werden und abends sieht das Boot nach einem Tag auf dem Wasser auch nicht mehr ganz so sauber aus wie morgens.

Die Dusche ist meistens das eigentliche Problem

Wenn man über Wasserverbrauch auf einem Boot spricht, denkt man zunächst an Trinkwasser. Zwei Liter am Tag, vielleicht noch Kaffee und ein bisschen Wasser zum Kochen. Das klingt alles ziemlich überschaubar.

Ist es auch. Nur ist das eben nicht der Teil, der den Tank leer macht.

Eine normale Dusche kann je nach Armatur und Wasserdruck ungefähr 8 bis 12 Liter pro Minute verbrauchen. Fünf Minuten Duschen sind damit schnell 40 bis 60 Liter. Und das ist noch nicht besonders verschwenderisch. Bei zwei Personen sind wir also bei 80 bis 120 Litern, bevor überhaupt jemand einen Teller gespült oder die Toilette benutzt hat.

Auch kleine Membranpumpen an Bord fördern in der Regel mehrere Liter pro Minute. Das Wasser kommt also nicht deshalb langsam aus der Dusche, weil die Pumpe zu klein ist.

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Duschen

Meist der größte einzelne Wasserverbrauch an Bord. Schon wenige Minuten machen sich im Tank bemerkbar.

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Toilette

Der tatsächliche Verbrauch hängt stark vom Toilettensystem und davon ab, wie häufig es benutzt wird.

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Spülen

Viele kleine Wasserentnahmen summieren sich. Gerade beim Kochen und Abwaschen merkt man das oft erst am Tankstand.

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Reinigung

Hände, Geschirr, Arbeitsflächen und irgendwann auch das Boot selbst brauchen Wasser.

Trinken und Kochen sind erstaunlich unwichtig

Beim direkten Trinken kommt erstaunlich wenig zusammen.

Selbst wenn eine Person zwei Liter am Tag trinkt, kommen für Kaffee, Tee und Kochen normalerweise nur ein paar weitere Liter dazu. Das ist im Vergleich zu einer Dusche fast vernachlässigbar.

Und genau an dieser Stelle wird es interessant.

Denn beim Duschen, Spülen, Händewaschen oder Reinigen braucht man zwar Wasser. Aber muss dieses Wasser tatsächlich Trinkwasserqualität haben?

Diese Frage wird auf Booten häufig gar nicht gestellt, weil Frischwasser aus dem Tank automatisch als Trinkwasser behandelt wird.

Die Unterschiede zwischen Trink- und Brauchwasser habe ich deshalb bereits ausführlicher im Beitrag „Brauchwasser vs. Trinkwasser: Unterschiede, Risiken und Lösungen“ beschrieben.

Wie lange reichen 100, 200 oder 500 Liter?

Eine allgemeingültige Antwort gibt es nicht. Man kann sich aber zumindest einmal anschauen, was verschiedene Tankgrößen rechnerisch bedeuten.

Tankgröße50 l/Tag100 l/Tag150 l/Tag
100 Liter2 Tage1 Tag0,7 Tage
200 Liter4 Tage2 Tage1,3 Tage
500 Liter10 Tage5 Tage3,3 Tage

Das sind allerdings nur Rechenwerte.

Ein 200-Liter-Tank bedeutet nicht, dass man vier Tage lang mit 50 Litern pro Tag planen sollte. Irgendwann kommt jemand an Bord, duscht etwas länger oder man steht nach einem langen Tag auf dem Wasser unter der Dusche und denkt nicht mehr darüber nach, ob jetzt noch 20 Liter oder 30 Liter durch den Schlauch laufen.

Genau deshalb sollte eine Reserve eingeplant werden.

Auf dem Hausboot wird die Rechnung schnell eine andere

Bei einem Wochenendboot kann ein 200- oder 300-Liter-Tank durchaus funktionieren.

Auf einem Hausboot, auf dem man mehrere Tage oder sogar dauerhaft lebt, sieht das anders aus.

Dann kommt irgendwann der ganz normale Haushaltsbetrieb zusammen: Duschen, Kochen, Spülen, Toilette, Händewaschen, Putzen und vielleicht noch eine Waschmaschine.

Da sind mehrere hundert Liter am Tag durchaus möglich.

Und irgendwann wird aus der Frage „Wie groß muss mein Tank sein?“ eine ziemlich andere Frage:

Warum muss ich eigentlich immer mehr Wasser im Tank mitführen, wenn ich dauerhaft mehr Wasser brauche?

Man kann natürlich einen größeren Tank einbauen. 500 Liter statt 200. Vielleicht 1.000 Liter. Das funktioniert – solange Platz, Gewicht und die Möglichkeit zum Nachfüllen keine Rolle spielen.

Auf einem Boot spielen sie aber fast immer eine Rolle.

Der Tank bestimmt nicht zwangsläufig die Reichweite

Bei einem klassischen Bootswassersystem ist die Sache ziemlich eindeutig: Der Tank ist voll, man verbraucht Wasser und irgendwann ist er leer.

Dann braucht man einen Wasserhahn. Oder einen Schlauch. Oder eine Marina.

Oder man fährt eben dorthin, wo man wieder Wasser bekommt.

Mit einer Wasseraufbereitung direkt an Bord verschiebt sich diese Rechnung. Dann ist nicht mehr ausschließlich die Tankgröße entscheidend, sondern auch die verfügbare Wasserquelle und die Leistung der Aufbereitungsanlage.

Das kann gerade bei längeren Aufenthalten interessant werden. Statt immer größere Mengen Trinkwasser mitzunehmen, kann ein Teil des benötigten Wassers direkt an Bord aufbereitet werden.

Dabei kann es sinnvoll sein, Brauch- und Trinkwasser getrennt zu betrachten. Für eine Dusche muss nicht zwangsläufig dieselbe Aufbereitung notwendig sein wie für das Wasser, das später im Glas landet.

Wie viel Wasser verbrauchst du tatsächlich?

Wenn du wissen willst, wie groß dein Tank sein muss, würde ich nicht mit irgendeinem Durchschnittswert aus dem Internet anfangen.

Ich würde es messen.

Tank vollmachen. Losfahren. Tankstand notieren. Ein paar Tage normal leben. Nicht extra sparen, aber auch nicht absichtlich Wasser verschwenden.

  • Tank vor Fahrtbeginn möglichst vollständig füllen
  • Tankstand dokumentieren
  • Verbrauch über mehrere Tage beobachten
  • Personenzahl notieren
  • besondere Situationen wie Gäste oder längere Duschen berücksichtigen
  • am Ende wieder volltanken und die benötigte Wassermenge dokumentieren

Nach ein paar Fahrten hast du damit einen Wert, der wesentlich mehr über deinen tatsächlichen Verbrauch aussagt als irgendeine allgemeine Tabelle.

Vielleicht brauchst du 40 Liter am Tag. Vielleicht 80. Vielleicht 150.

Und wenn du dauerhaft auf einem Hausboot lebst, vielleicht deutlich mehr.

Wasser sparen oder Wasser verfügbar machen?

Natürlich ist Wassersparen sinnvoll. Es gibt keinen guten Grund, Trinkwasser unnötig durch den Abfluss laufen zu lassen.

Auf einem Boot sollte man sich aber irgendwann eine andere Frage stellen.

Nämlich warum die verfügbare Wassermenge überhaupt so stark begrenzt sein muss.

Wer nur am Wochenende unterwegs ist, wird mit einem vernünftig dimensionierten Tank normalerweise gut zurechtkommen. Bei längeren Fahrten sieht die Sache anders aus. Und wer dauerhaft auf einem Hausboot lebt, hat irgendwann einen ganz normalen Haushaltsverbrauch – nur eben ohne den Wasseranschluss, den man an Land kaum bemerkt.

Dann kann die Kombination aus einem vernünftig dimensionierten Tank, reduziertem Verbrauch und eigener Wasseraufbereitung deutlich mehr Freiheit schaffen.

Wie viel Wasser brauchst du wirklich?

Das hängt weniger davon ab, wie groß dein Boot ist, als davon, wie du es nutzt. Wenn du deinen tatsächlichen Verbrauch kennst, kannst du Tankgröße, Reserven und eine mögliche Wasseraufbereitung sinnvoll aufeinander abstimmen.

Mit dem Varuna Systemfinder kannst du prüfen, welches Wassersystem zu deinem Boot, deinem Verbrauch und deinem Fahrgebiet passt.